Yamaha R6 - Rennsport pur!
Text: Radi 
Fotos: Martin Fülöp & Susi Rodler 

wichtigste Technische Daten: 599ccm, mit Ram Air 133 PS, Tankinhalt 17,5 Liter, 161 kg 
Preis: Euro 12.999,- 
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Als Yamaha 1998 mit der R1 alle Supersport-Fans verblüffte sollte es natürlich nicht lange dauern bis das kleine 600er Schwesternmodell auf sich warten liess. Ein Jahr später war es dann soweit und man hatte der Konkurrenz nicht nur im 1000er Supersport-Segment so gut wie alle Käufer abgeluchst sondern machte sich drauf und dran auch die letzten 600er Fans für sich zu gewinnen die noch nicht Yamaha fuhren. Die R6 war 1999 ihrer Konkurrenz um Meilensteine voraus und das technische Datenblatt mit Gewichtsangabe und PS-Anzahl liess wiederum die Herzen von Supersport-Fans höher schlagen sowie die Konkurrenz alt aussehen. Bald war jede zweite 600er Supersportler die einem in Miesenbacher Kurvengeschlängel (nähe Birkfeld) entgegenkam rot-weiss oder blau und fing mit dem Buchstaben Y an. Es war zu diesem Zeitpunkt wie schon im Jahr davor mit der R1 klar dass Yamaha 1999 mit der R6 einen Totalangriff im 600er Supersport-Segment startete und die Konkurrenz gezwungen war nachzuziehen soferne diese überhaupt noch Buckelbecher verkaufen wollten. 

Heuer schuf man seitens Yamaha mit der 2006'er R6 wiederum ein Motorrad welches fast wie der Revolution im 99er Jahr gleich kam. Man blieb zwar bei der Bezeichnung R6, Design und andere Veränderungen schufen aber bei der 2006er R6 ein komplett neues Motorrad was sich von seiner Konkurrenz stark unterschied. Wir bekamen die R6 von Yamaha Austria nachdem wir (sehr schweren Herzens) die wunderschöne Retro R1 zurückgeben mussten. Leistungsmässig war der Umstieg von der R1 auf die R6 natürlich gewaltig, da kann man dann wieder kräftig am Gasgriff kurbeln um etwas auf Geschwindigkeit zu kommen. ;-) 
 
 

Futuristisches Design der neuen 2006er R6

Erster Eindruck  
Von der Sitzposition, Armaturen usw. ist auf den ersten Blick gar nicht soviel um zur R1, alles ein bisserl kleiner halt.  
Was aber sofort auffällt ist dass der rote Bereich erst bei sagenhaften 17.500!!! Touren anfängt. Wahnsinn, was? Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt dass man Serienmotoren mal auf diese Drehzahl raufdrehen könnte hätte ich ihn gefragt ob so eine Flucht aus der Klapsmühle wirklich so schwierig ist wie es in Filmen so oft dargestellt wird. Naja. Die Neugier erwacht jedenfalls sofort ob der Murl in diesem Bereich auch noch kräftig anschiebt oder nur mehr um Gnade bzw. um den nächsten Gang röchelt. Die Sitzposition ist wie bei der R1 extrem sportlich gehalten. Windscheibe usw. machen klar dass man die R6 als reines Ringgerät mit Strassenzulassung ansehen kann. Das sieht man auch sofort am Heck wo man mit dem Entfernen von wenigen Schrauben die Nummertafelhalterung abmontieren kann und das Bike dasteht wie Valentino Rossi's Moto-GP Bike in der Startaufstellung. 

Die Ansage von einem benachbarten Chopperfahrer "Kann man mit der auch auf der Strasse fahren?" hat dies dann auch bewiesen. "Ja, klar, die hat ja ein Blech hinten oben." Darauf der nachbarliche Chopperfahrer:"Aber die schaut so witzig aus..." Naja, was soll heissen die schaut witzig aus? Hmmm?! Eine Sissy-Bar oder Satteltasche passt da natürlich nicht rauf genau so wenig wie Franzenbänder von Louis bei den Griffen... Es ist uns natürlich klar dass Chopperfahrer das nicht so zu beurteilen vermögen aber witzig schaut die bestimmt nicht aus. Wahnsinnig geil schaut sie aus! Aber sicher nicht witzig! ;-) 
 
 
Murl (Motor)  
Was einem sofort auffällt ist dass der Motor bis ca. 5.-6.000 fast so gut wie überhaupt keine Leistung hat. Speziell für Fahrer welche im untertourigen Bereich ihre Motorräder knieschleifend um enge winkelige Kurven bewegen ist das eine gewaltige Umstellung. Wer am Kurvenausgang den Drehzahlmesser auf 4 oder 5.000 Touren hat und am Kabel zieht wartet ziemlich lange bis der Motor mal Leistung zeigt. Ab 6 - 7.000 geht es dann aber richtig los. Das Drehzahlband der R6 zieht dann mächtig nach oben hin rauf, man möchte gewohnheitshalter und des Auspuff-Soundes bereits bei 10-12.000 schalten, muss sich aber fast zum Weiterdrehen überwinden und den Murl weiter nach oben drehen. Bei 14.000 hat der Motor noch immer kräftig Leistung gleich wie bei 16.000 Touren. Als ich den Motor einmal absichtlich auf der Rechberggeraden zum Brandlhof rauf mit der 2.ten auf 17.500 drehte (ich wollte unbedingt wissen wie sich der Motor bei so einer Drehzahl anhört) haben mich die Biker welche sich oben eine Rauchpause genehmigt haben ungefähr so angesehen als ob Freddy Krüger mit einem Holzbeil auf sie zukommen würde. Mann! Der Murl hat einen Sound oben raus als ob man auf einer Kreissäge fährt!!! Aber nicht unangenehm, sondern nur sehr gewöhnungsbedürftig! Man kommt mit 17.500 Touren mit einem "iiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhh" daher dass es jedem neben der Strasse Stehenden schlichtweg die Sprache verschlägt. :-) Aber geil der Spruch, echt geil! Kann man nix sagen! :-) Auch hat die R6 eine Anti-Hopping Kupplung, welche für das ernsthafte Rennfahren sicher nicht mehr wegzudenken ist, bereits serienmässig verbaut. 

 
Speed?  
Die Röthelsteiner Gerade wurde mit lockeren 270 bewältigt. Es wäre sicher noch mehr gegangen aber ihr wisst ja, das Auge des Gesetzes wacht über uns und mehr als das Doppelte sollte man eigentlich nicht am Tacho oben haben. Andererseits..., ob mit 270 der Zettel fort ist oder mit 285 wäre auch schon egal gewesen. Den Motor hochzudrehen ist jedenfalls eine echte Freude. Was auffällt ist dass das Motorrad bei diesem Speed auch noch auffallend ruhig liegt. Kein nervöses Herumgehopse bei Bodenunebenheiten von diesem Leichtgewicht. Nöö, liegt aerodynamisch sehr gut bei höherer Geschwindigkeit und bietet gar nicht mal so schlechten Windschutz. 

Fahrwerk, Sitzposition  
Alles an dem Bike ist sehr racing-orientiert ausgerichtet. Egal was es ist. Yamaha ging gleich wie bei der R1 keine Kompromisse ein. Falls ihr ein Kreuzleiden habt wäre wie bei allen Supersport-Modellen ein Modell von BMW sicher vorzuziehen. ;-( Die neue R6 ist der ideale Topf um damit am Ring zu heizen und dafür wurde sie gebaut. Ob man damit auch auf der Strasse glücklich sein wird hängt von eurem Verwendungszweck ab. Solch ein Renngerät wie die R6 auch auf der Strasse unterm Hintern zu haben ist auf dem Rechberg, Niederalpl, Miesenbacher Kurvengeschlängel, Kalte Kuchl usw. sicher der absolute Hit und in solchen kurvigen Passagen auch der ideale Abfangjäger für jede 1000er auf die ihr aufläuft. Wir können euch garantieren dass bei kurvigen Strecken so mancher 1000er Fahrer mächtig traurig den Heimweg antreten wird sobald ihr zum Überholen ansetzt (soferne der auf der 1000er nicht Mike Wohner heisst). ;-) Auch werden eure persönlichen Rundenzeiten am Ring mit so einem reinrassigen Race-Bike natürlich gewaltig runterpurzeln. Wenn ihr mit so einem Bike aber auch beabsichtigt Tagestouren zu unternehmen dann solltet ihr diese besser Samstags unternehmen damit euch die Freundin am Sonntag den ganzen Tag über wieder gerade biegen kann. ;-) 
 
wichtigste Technische Daten: 599ccm, mit Ram Air 133 PS, Tankinhalt 17,5 Liter, 161 kg 
Preis: Euro 12.999,- 
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