Yamaha R1 - keine Kompromisse!
Fotos: Martin Fülöp & Radi

wichtigste Technische Daten: 998ccm, ohne Ram Air 175 PS, Tankinhalt 18 Liter, 173 kg 
Preis: Euro 15.690,- (im Retro-Design Euro 15.990,-) 
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1998 haute Yamaha mit einem Doppelschlag im Bereich Supersport wie auch Offroad die Konkurrenz KO. Das Weltbild der Supersport-Fans im Bereich Strasse wie auch Offroad wurde gewaltig erschüttert. Bei sämtlichen Motorradsport-Fans wackelten gewaltig die Wände und die bisher aufgehängten Poster von Supersport-Bikes und MX-Bikes fielen mit einem gewaltigen Krachen zu Boden. Erstens gab es nämlich den ersten 4-Takt-Crosser von Yamaha in Serie welcher in den USA bei einem Supercross-Rennen erstmals alle 2-Takter herbrannte (manche wollten das monatelang nicht wahrhaben, wir auch nicht) und zweitens wurde den Supersport-Fans mit der R1 die absolute Killer-Mopett'n zum Fraß vorgeworfen welche sie sich nicht mal in ihren wildesten Träumen zu erhoffen wagten. Und das noch mit technischen Daten beider Bikes die jenseits von Gut und Böse lagen. Die PS-Anzahl und Trockengewichtangabe beider Bikes war für die damaligen Verhältnisse fast schon pervers, so gut wie jeder hat drüber den Kopf geschüttelt. 

Ich kann mich noch gut erinnern wie wir bei der Grazer Motorradl-Messe alle neben dem Yamaha Stand wie angewurzelt standen und auf die rot-weisse R1 stierten wie Eingeborene die das erste Mal einen Düsenflieger aus einem Meter Entfernung sehen. Damals brach mit der R1 ein neues Zeitalter an und der Kampf um den Supersport-Bereich für Otto-Normal-Verbraucher hatte begonnen. Es schien als wollte Yamaha der Konkurrenz zu verstehen geben dass sie besser zurück an die technischen Zeichenbretter und Entwicklungslabors kehren sollten bevor sie wieder daran denken in den Ring zu steigen. 

Die R1 schlug dann auch ein wie eine Bombe und war mit einem Schlag das gefragteste Supersport-Motorrad schlechthin. So gefragt dass sie im Frühjahr 1998 bereits nicht mehr lieferbar war. Wenn man dieses Killer-Bike nicht im Herbst 1997 bestellt hatte gab es verdammt lange Gesichter an den Verkaufsständen der Yamaha-Händler. So gut wie alle 900er CBR oder ZX-R Fahrer wollten 1998 mit einem Schlag eine R1 haben und dies hat sich damals in den Umsatzzahlen der Konkurrenzhersteller sicher auch fürchterlich widergespiegelt.  

 

Seit 1998 hat sich dann viel getan. Die Konkurrenz hat nicht geschlafen und nachgezogen und Yamaha hat in den letzten Jahren alles unternommen um den 1998 getätigten technologischen Überraschungsangriff weiter auszubauen. Wir sind versucht zu sagen, es ist ihnen gelungen! ;-)  

Yamaha legt die Messlatte mit den regelmässig erfolgten Upgrades höher und höher 
Wir bekamen von Yamaha Austria heuer die Test-R1 mit Öhlins Komponenten und dem Retro-Design übergeben. Ihr hättet's Radi sehen sollen wie er vor der Retro-R1 auf die Knie gefallen ist sobald Fr. Vejnoska um die Ecke verschwunden war. Der hatte ja richtig Tränen in den Augen vor lauter Freude. GottseiDank dauerte es eine Weile bis Fr. Vejnoska mit dem kurzzeitig verloren gegangenen Zulassungsschein wieder aufgetaucht ist sonst wäre das mächtig peinlich gewesen. R1!!! Testsieger von www.motorrad.gol.at und das bevor wir noch einen einzigen Meter damit gefahren sind ;-) Neee, so ist es natürlich nicht aber trotzdem waren wir froh dass Radi kurzzeitig aufgehört hat den Tank zu streicheln als Fr. Vejnoska wieder mit dem Zulassungsschein um die Ecke bog und erst wieder auf der Autobahn damit angefangen hat. Peinlich, echt peinlich! Wie soll man da einen objektiven Test drüber schreiben? Könnt ihr uns das sagen??? 

Radi:"Kann man über die R1 überhaupt einen objektiven Test schreiben? Sobald man oben sitzt und den Motor schnurln hört ist es mit der Objektivität vorbei. Mein Gott, ich glaubte ich war Rossi als ich die 1er auf der Süd auf den ersten Autobahnkilometern hochdrehte. Der Motor, Wahnsinn! Extrem gut zu dosieren, durchzugsstark und leistungsmässig jenseits von Gut und Böse. Ich liebe das Bike, ich liebe das Bike, ich liebe ..." Ok, aber kommen wir endlich zur objektiven Berichterstattung zurück. Zumindest ansatzweise ;-) 

 
Erste Eindrücke  
Das Retro-Design finden die meisten wunderschön, das Schönste was jemals Yamaha hervorgebracht hat, obwohl es auch sehr gegenstimmige Meinungen dazu gibt. Manche verabscheuen nämlich das Retro Design regelrecht da "eine R1 blau sein muss oder zumindest rot-weiss bzw. rot-schwarz" so einige überzeugte R1-Fans. Mittelweg gibt's da anscheinend keinen. Uns persönlich hat es gefallen. Das Retro-Design ist eine Sonderlackierung die sicher auch beim Wiederverkauf einen Sammlerwert besitzt und deswegen sicher ein paar Hunderter mehr wert sein wird falls das Bike mal wieder verhökert wird. Nicht zum Schweigen vom Auffall-Faktor. Wann sieht man schon mal so ein Bike in dem Retro-Design irgendwo rumstehen? 

Die erste Sitzprobe lässt sofort erkennen dass das Bike nicht unbedingt für lange Strecken gebaut wurde, speziell wenn die Körpergrösse 1,80 übersteigt. Das Motorrad ist durch und durch ein Supersportler was man schon beim ersten Abwinkeln der Beine bemerkt um diese auf die Fussrasten zu bekommen. Yamaha ging bei der R1 keine Kompromisse ein und gab der Sportlichkeit absoluten Vorrang. Die Armaturen sind extrem nobel gehalten, der Drehzahlmesser sieht eher aus wie eine Uhr von Glashütte als ein Drehzahlmesser auf einem Bike. Die Beleuchtung der LCD-Tacho Anzeige ist blau gehalten was einem das Ablesen der schwarzen Ziffern nächtens nicht unbedingt erleichtert. Bei Tag ist es aber kein Problem, da unterscheiden sich die schwarzen Ziffern sehr gut vom blauen Hintergrund. 

 

Autobahn rauf, erste Gasproben...  
Von Yamaha Austria weg ging es dann auch sofort auf der Autobahn in Richtung Kalte Kuchl und Niederalpl. Die Beschleunigung der R1 ist enorm. Es fallen einem sofort die lang übersetzten ersten 2 Gänge auf. Den zweiten Gang hat Radi beim Zurückbringen der R1 auf der Autobahn vor dem Kapfenberg-Tunnel mal auf sagenhafte 214 kmh gedreht. Und da war sie noch nicht mal im roten Bereich. Radi:"Ihr hättet's das Gesicht von dem GTI-Fahrer sehen sollen der mitbeschleunigen wollte, da hat sich im Vergleich zur R1 nicht viel gerührt in der Wolfsburger Kiste ;-) Es war beim GTI nur ein leichter Zucka zu bemerken nachdem der Typ im Rückspiegel erkannt hat dass ich auf der Überholspur beschleunige. Echt lieb, hatt' er echt glaubt er kann mithalten? :-)" 
 
Was einem noch sofort auffällt ist dass der Motor sehr gut dosierbar und das Leistungsband sehr gleichmässig verteilt ist. Dies ist speziell bei den neueren 1.000er Supersportlern keine Selbstverständlichkeit da manche Modelle extrem ruckartig im unteren Bereich reagieren. Nicht so bei der R1. Man sollte zwar in engen Kurven beim Rausbeschleunigen mit sehr viel Gefühl am Gasgriff drehen aber selbst bei winkeligen Streckenpassagen lässt sich die R1 durch die sehr gut dosierbare Motorentfaltung ausgezeichnet durchzirkeln. 600er Abfangjäger werden es schwer haben durch diese gut dosierbare Motorentfaltung in deren Heimrevieren die R1 zu erlegen. Wenn man dann am Gasgriff mal richtig aufdreht geht aber natürlich gewaltigst die Post ab. Den Drehzahlmesser schnepft es nur so rauf, die Zahlen des Digi-Tachos purzeln nach oben. Die Gänge 3-6 sind dann oberhalb der 200er kmh-Marke enger abgestuft.  
 
Fahrwerk  
In unserer Test R1 waren Öhnlins-Komponenten verbaut. Fr. Vejnoska bei der Übergabe des Bikes:"Wir haben jetzt nur die R1 mit dem Öhlins-Fahrwerk zum Test für euch welche wir eigentlich für die Händler zum Probefahren hergerichtet haben. Macht euch eh nix aus, oder?" Puuuuh, NEIN!!! Macht natürlich nix!!! :-) Das Öhlins-Zeug sieht nicht nur extrem nobel aus, das Bike schwebt damit auch dahin wie auf einem Wattepolster. Speziell bei harten Schlaglöchern oder Kanten  fressen die Öhlins-Gabel und der Öhlins-Dämpfer alles was sich ihnen in den Weg stellt mit Heisshunger auf. Ein vollkommen neues Gefühl des Motorradfahrens. Serienmässig hat die R1 auch einen Öhlins-Lenkungsdämpfer den man sich (wenn man sich mal daran gewöhnt hat) auch nicht mehr wegdenken möchte. Egal ob beim Aufsetzen nach Wheelies oder bei Schlaglöchern, der Lenker bleibt immer stabil. Für Besitzer älterer R1 zahlt sich eine Nachrüstung mit diesem guten Teil sicher aus. Egal ob auf Wellen, Schlaglöchern, hartem Anbremsen, Beschleunigen oder sonst was - die R1 mit dem Öhlins-Fahrwerk liegt einfach grossartig und wie angenagelt am Asphalt. Bevor ihr euch laute teure Auspuff-Tröten kauft, kauft's euch lieber ein Öhlins-Fahrwerk, da habt's mehr davon ;-) 

Apropo Auspuff  
Was an der R1 auch sofort auffiel ist der extrem leise Sound. Mein erster Gedanke war möglichst schnell ein Loch in den Auspuff-Topf zu bohren damit man wenigstens ein bisschen was vom Motor hört. Während die neue R6 anständig Krawall macht ist die R1 serienmässig extrem leise gehalten. Geräuschempfindliche unter euch werden eine Freude damit haben, Lärm-Fanatiker sobald als möglich eine laute Tröte kaufen gehen. Der Auspuff ist übrigens auch sehr schön unter der Sitzbank verbaut. 

 
Sitzposition  
Für lange Hageln, ab ca. 1,80 m, stellt die extrem sportliche Sitzposition der R1 etwas ein Problem dar. Das starke  
Abwinkeln der Füsse, die steile Vorlage vom Sitz auf den Lenker und der minimale Windschutz sind etwas für den reinen Rennstreckenbetrieb. Auch die harte Sitzbank macht einem ganztägige Ausfahrten nicht gerade schmackhaft. Es ist halt ein Race-Bike für die Rennstrecke, Yamaha ging bei der R1 keine Kompromisse ein und man stützt sich deswegen extrem steil auf den Lenker ab. Was auch noch auffällt ist dass durch die niedrige Windscheibe sehr viel Wind bei aufrechter Position anfällt. Hauptsächlich wird dieser in den Brustbereich verwirbelt, man muss sich also schon extrem auf den Tank legen um bei kontinuierlicher Fahrweise oberhalb der 200er Marke nicht zuviel Wind abzubekommen. Eine höhere Scheibe wäre für den Alltagsgebrauch sicher zu empfehlen, PS hat sie nämlich eh genug und ein paar kmh weniger Höchstgeschwindigkeit kann man sicher locker verschmerzen. 

Beschleunigung  
Wahnsinn wie der Motor beschleunigt. Extrem sauber, gut dosierbar und unglaublich kräftig! Einmal kurz 274 kmh auf unserer Röthelsteiner Lieblingsgeraden raufbeschleunigt. Radi:"Es wäre natürlich noch viel mehr drinnen gewesen aber es war viel Verkehr. Grüne Jeeps mit behüteten freundlichen älteren Leuten um die 70 am Volant, Blondinen in Cabrios, bebrillte Streber mit L17 und Opa am Beifahrersitz usw. Man weiss oft net was denen einfällt, die glauben g'ach noch es nähert sich ein Flieger beim Landen wenn man sich an diese mit 300 ranpirscht und verreissen ihre Kisterl usw. ..." Ausserdem ist unsere grösste Sorge sicher dass irgendwann einmal die Uniformierten auf die Idee kommen könnten auf der kilometerlangen Geraden ein Radargerät zu montieren. Kumpel Kurti:"Dann könnt's auf jeden Fall mit einem Psychiater längere Zeit Türme bauen und froh sein wenn ihr den rosa Zettel nach 2 Jahren wieder kriegts oder den Rest eures Lebens Mopedautos testen ..." :-) Naja, wollen wir nicht so schwarz sehen aber zum Nachdenken ist es auf jeden Fall was man sagen sollte wenn man mit so einer Geschwindigkeit gestoppt wird. "Geeeeehn's. War i wirklich so schnööö?" oder "Eine innere Stimme hat es mir befohlen" oder "I bin jo eh nur 130 g'fahren, i versteh des net was ihr Radar-Pistol'n do an'zagt" - da könnten wir dann glaube ich wirklich mopedauto.gol.at gründen. ;-) Naja egal, denk' ma lieber gar net dran". 

Was uns ein bisserl leid getan hat war die Möglichkeit die Öhlins-R1 mit einer Serien R1 direkt zu vergleichen um zu sehen ob das Serienfahrwerk auch nur annähernd so gut ist wie die Öhlins Komponenten. Eines steht jedenfalls fest. Yamaha hat mit der 2006'er R1 wieder voll ins Schwarze getroffen, die Öhlins Komponenten sind für gut Betuchte das I-Tüpferl in dem Bike. Würden wir am Sonntag den Lotto-6er machen dann würde die Retro R1 mit Öhlins-Fahrwerk schon am Montag bei uns in der Garage stehen. ;-) 

wichtigste Technische Daten: 998ccm, ohne Ram Air 175 PS, Tankinhalt 18 Liter, 173 kg 
Preis: Euro 15.690,- (im Retro-Design Euro 15.990,-) 
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